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Spvgg Greuther Fürth - 1. FC Kaiserslautern (16.01.2010)
Mittwoch, 20. Januar 2010

Nach dem Zweitligaspiel des 1. FC Kaiserslautern bei der Spielvereinigung Greuther Fürth berichten diverse Medien über Fan-Randale, verletze Ordner und Polizisten, über Flaschen, Schneebälle und Eisbrocken werfende Chaoten. Gleichzeitig klagen anwesende Fans über einen überzogenen, gerade zu eskalierend wirkenden Polizeieinsatz, in dessen Folge einige Anhänger ärztlich behandelt werden mussten – einer davon musste sogar den Weg in das örtliche Krankenhaus antreten. Was war geschehen?

Bereits während der 90 Minuten sah sich Schiedsrichter Schmidt zweimal dazu veranlasst, die Partie aufgrund von auf das Spielfeld geworfener Schneebälle zu unterbrechen. Die Wurfgeschosse entstammten dem Sitzplatzbereich mittig der Hintertortribüne, auf dem sich zahlreiche FCK-Fans befanden. Dieser wurde im Gegensatz zum Stehplatzblock nicht komplett vom Schnee geräumt und lud somit geradewegs dazu ein, den Unmut über das zu Ungunsten der Pfälzer Mannschaft verlaufende Spielgeschehen, in Form von geformten Schneekugeln in Richtung Spielfeld zu entladen. Das durch dieses unüberlegte Handeln kein positiver Einfluss auf die Mannschaftsleistung bewirkt werden konnte, war in diesem Moment offenbar keinem der Werfer bewusst. Glücklicherweise wurden weder der Fürther Torwart Loboué noch ein anderer Spieler von einem Schneeball getroffen. Nachdem Spieler und Offizielle sich der Anhängerschaft annahmen, Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz selbst sogar in den Fanblock kletterte, um das restliche Spiel von dort zu verfolgen, beruhigte sich die Lage schließlich.

Nach Spielende jedoch setze sich das Schauspiel vor den Stadiontoren fort. Anhänger beider Vereine, deren Verhältnis wohlgemerkt nicht gerade als traditionell feindlich einzustufen ist, lieferten sich eine Schneeballschlacht über eine sichere Distanz hinweg. Anzeichen, dass sich diese in eine direkte, gewaltsame Auseinandersetzung entwickeln könnte, waren nicht auszumachen. Was bei diesen Witterungsverhältnissen in Deutschland täglich tausendfach „gespielt“ wird, nahm das bayrische USK als Gefährdung wahr und sah sich in der Pflicht einzuschreiten. So positionierten sich die Beamten unmittelbar zwischen die ohnehin durch Absperrgitter zu Genüge getrennten Fanlager. Was folgte, hätte auch die Einsatzleitung leicht voraussehen können müssen: Einige Fans warfen nun vereinzelt Schneebälle in Richtung der Beamten. Bierflaschen oder Eisbrocken – wie später zu lesen – waren zu diesem Zeitpunkt keineswegs im Spiel. Die Beamten des USK formierten sich nun wie eine Wand vor der Anhängerschaft und stürmten plötzlich unvermittelt in die Menge wartender Fans. Wilde Jagdszenen spielten sich ab, bei denen Anhänger teilweise auf dem glatten Untergrund ausrutschten und regelrecht überrannt wurden. Erst jetzt flogen als Reaktion auf dieses Vorgehen vermehrt Gegenstände aus allen Richtungen auf die Polizeibeamten. Nach wenigen Minuten war der Spuk vorüber und eine traurige Szenerie blieb zurück. Wütende, meist ältere Fans, die sich angesichts dieses rüden Vorgehens der Beamten kaum beruhigen ließen. Aufgelöste und lädierte, teilweise blutende FCK-Anhänger, die Hilfe suchend herumirrten. Verletze Polizisten oder Ordner konnten nicht ausgemacht werden.

Auf Nachfrage von Fansmedia Kaiserslautern wollten weder Polizei, noch die Ordnungskräfte der Security Firma Engelhardt Auskunft zu den Gründen dieses Einsatzes geben. Von zwischen die Fronten geratenen FCK-Fans bekam man später berichtet, dass Mitarbeiter der Firma Engelhardt ihre zur Identifikation dienenden Namensschilder entfernten oder umdrehten, um anonym agieren zu können. Darüber hinaus versuchten diese durch Androhungen von Konsequenzen, sprich Stadionverboten, kritische Vorwürfe gegen sie zum Verstummen zu bringen. Ordnungsdienst, wie auch Polizei verhielten sich in dieser Situation unglücklich provokant. Es entsteht der Eindruck, dass durch ein bedächtigeres Vorgehen, durch Deeskalation und Zurückhaltung seitens der Beamten diese Vorfälle hätten vermieden werden können.

Fansmedia Kaiserslautern ist erschrocken über die Art und Weise, wie dieser Vorfall in den Medien wiedergegeben wurde. Die Berichterstattung beruht offensichtlich rein auf den wenig selbstkritischen Berichten der Bundespolizei und zeichnet dadurch ein verzerrtes Bild der realen Umstände. Wir erwarten von den Medien dieses Landes ihrer Aufgabe der Berichterstattung im Sinne der wahrheitsgemäßen Wiedergabe von Ereignissen gerecht zu werden. Hierzu benötigt es einer intensiveren Recherche, differenzierter Betrachtungsweisen, sowie des zumindest partiellen Ausblendens festgefahrener Klischees.

 

Fansmedia Kaiserslautern